Die Hauptstadt des Mon-Staats

Mawlamyine

Im Südwesten Myanmars liegt die viertgrößte Stadt des Landes, Mawlamyaing, einst besser bekannt unter dem Namen Moulmein. Bekannt? Ja, vor allem Literaten, denn nicht nur Kipling erwähnte die Stadt in seinem Gedicht Mandalay („By the old Moulmein pagoda lookin‘ lazy at the sea…“). George Orwell verfasste sogar eine autobiografisch beeinflusste Kurzgeschichte „Shooting an Elephant“, die von einem Polizeioffizier im damaligen Moulmein handelt und seine spätere Abneigung gegen totalitäre Regime in den Grundzügen erklärt.

Doch heute ist Mawlamyaing, eingenestelt in sanfte Hügel und dem Flussdelta der Flüsse Attayan und Gyaing in den Saluen Fluss, ein malerisches Städtchen, in dem der Tourismus nur sehr gemächlich Einzug hält. Alte Gebäude aus der Kolonialzeit, farbenfrohe Märkte und wunderschöne Pagoden machen Mawlamyaing zu einem echten Juwel in Myanmar. Und wie heißt das burmesische Sprichwort so schön: „Mandalay fürs Reden, Rangun fürs Prahlen und Mawlamyaing fürs Essen“.

Das Leben am Fluss läuft gemächlich und entspannt – und es kann durchaus passieren, dass Sie den muslimischen Ruf zum Gebet hören, während die Kirchenglocken läuten und eine Reihe buddhistischer Mönche vor Ihnen durch die Straße spaziert. Friedlich, gemeinsam und freundlich, das sind die Einwohner Mawlamyaings, die zu den nettesten Burmesen in ganz Myanmar gehören sollen.

Die Kyaik Than Lan Pagode

The old Moulmein Pagoda

Die Pagode, von der das schöne burmesische Mädchen laut Kipling auf den Fluss blickt, soll die Kyaik Than Lan Pagode sein. Die Pagode gilt als einer der besten Aussichtspunkte auf die Stadt und wird von 34 äußerst interessanten Tempeln umgeben. Die ursprüngliche Pagode stammt aus dem 9. Jahrhundert und wurde unter der Herrschaft König Mutpi Rajas errichtet. Die folgenden Könige – unter anderem Anawrahta, der Begründer der Bagan-Dynastie – ließen die Pagode Stück für Stück vergrößern, so dass sie sich heute rund 50 Meter in die Höhe streckt.

Doch es ist eigentlich nicht wirklich die Pagode, die Ihren Besuch hier hin lohnenswert werden lässt, es ist die Aussicht über die Stadt und den Fluß – also: Kamera nicht vergessen! Am schönsten ist es natürlich zum Sonnenuntergang, aber auch am frühen Morgen können Sie hier tolle Aufnahmen machen.

Der Mahamuni Paya Tempel

Diese Tempel-Anlage, die ursprünglich aus der Mon-Zeit stammt, ist die nördlichste der Bergpagoden über Mawlamyine und spirituell gesehen die Wichtigste. Auch wenn viele der heutige Gebäude aus dem 20. Jahrhundert stammen, so können Sie hier trotzdem feinste Handwerkskunst und jede Menge Blattgold bestaunen.

Der Tempel kann einfach aus dem Stadtzentrum erreicht werden, spazieren Sie einfach neben dem Gefängnis immer weiter den Berg hinauf. Vom Mahamuni Paya Tempel aus können Sie auch direkt weiter zur Kyaik Than Lan Pagode wandern.

Die Uzina Paya Pagode im Süden

Mit ihrer goldüberzogenen Stupa in der Mitte der Anlage, der Statue eines liegenden Buddhas und Schreinen in allen vier Himmelsrichtungen ist die Uzina Paya Pagode auf einem Hügel südlich der Stadt ein weiteres beliebtes Ausflugsziel zum Sonnenuntergang.

Von hier aus haben Sie einen hervorragenden Blick auf die Bilu Insel, und wenn Sie ein kleines Stück weiter spazieren, kommen Sie zu einem Aussichtspunkt, der eine atemberaubende Aussicht auf den Golf von Martaban bietet.

Falls Sie ein wenig Zeit mitgebracht haben, dann unternehmen Sie einen Spaziergang über den Rundweg, der Sie entlang aller Berg-Pagoden entlangführt. Die Tour dauert – je nachdem, wie viel Zeit Sie bei den verschiedenen Tempeln verbringen möchten – 3 bis 4 Stunden und führt Sie am Wasser entlang zurück nach Mawlamyine.

Shopping und Märkte in Mawlamyine

Täglich findet direkt neben dem Hauptanlieger der Central Market und der New Market statt. Los geht’s in den sehr frühen Morgenstunden, und gegen 10.00 Uhr wird es richtig hektisch. Hier finden Sie frisches Seafood, Obst, Gemüse und andere Lebensmittel, aber natürlich auch Haushaltsgegenstände und burmesische Textilien. Da sich diese Märkte hauptsächlich an die Einwohner und nicht an Touristen richten, sind die angeboteten Waren äußerst authentisch und recht günstig. Trotzdem gehört es dazu, zumindest ein kleines bisschen zu feilschen – so weit das mit Händen und Füßen geht.

Wie bereits erwähnt, ist die Küche Mawlamyines weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Und so reihen sich hier Stände mit verschiedensten Köstlichkeiten der Mon und Tamilen, Bengalen und chinesischen Garküchen. In einem der kleinen Teehäuser können Sie sich entspannt hinsetzen und das kunterbunte Treiben verfolgen.

Ein Ausflug zur Bilu Insel vor den Ufern der Stadt

Direkt gegenüber Mawlamyine liegt die Insel Bilu Kyun, dort, wo der Than Lwin Fluss sich in den Golf von Martaban ergießt. Er bildet einen natürlichen Schutzwall für die Stadt vor Überschwemmungen und trägt den kuriosen Namen „Oger Insel“. Der Legende nach soll der Name von den ehemaligen Einwohnern der Insel stammen, die sich die Zähne spitz zufeilten und ihr Fleisch nur roh verzehrten, bis die Bewohner von Mawlamyine anfingen, sie „Oger“ zu nennen.

Auf der Insel liegen rund 60 Dörfer, hauptsächlich der Mon. Diese verdienen sich ihr Geld nicht nur mit dem Reis- und Kautschukanbau, sondern auch mit traditionellem Handwerk wie der Baumwollherstellung. Dabei geht es allerdings nicht darum, Ihnen möglichst viel zu verkaufen, im Gegenteil, manche Handwerksbetriebe bieten sogar überhaupt nichts zum Verkauf an, aber die Bewohner sind stolz, Ihnen ihr Handwerk näher zu bringen. Über Spenden wird sich dabei natürlich immer gefreut!

Es fahren täglich zahlreiche Fähren oder kleinere Boote zur Insel, die Sie am besten mit dem Motorrad oder einem Tuk-Tuk erkunden. Falls Sie sich ein Tuk-Tuk nehmen, agiert Ihr Fahrer meist auf gleich als Guide – auch wenn die Englischkenntnisse oft recht einfach sind und man sich mit Händen und Füßen verständigt. Die Kosten für einen Tag mit dem Tuk-Tuk liegen bei rund 25.000 – 35.000 Kyat (Stand Juni 2016).

Win Sein Taw Ya – der liegende Buddha vor der Stadt

Rund 24 km außerhalb Mawlamyines wartet eine weitere, irgendwie typisch-burmesische Attraktion: der liegende Buddha Win Sein Taw Ya, der es auf fast 180 Meter Länge bringt – und in dem man herumspazieren kann! (Wovon wir allerdings stark abraten, denn obwohl die Statue noch  nicht mal fertig ist, fängt sie schon wieder an zu verrotten. Deshalb: Betreten nur auf eigene Gefahr!) Momentan sind vier labyrinthartige Stockwerke für die Öffentlichkeit zugänglich und im Inneren verbergen sich Szenen aus der buddhistischen Hölle in den leuchtendsten Farben und anderes, was eher an ein Geisterhaus als an einen Tempel erinnert.

So gesehen ist die komplette Anlage ein kleines Sinnbild für Myanmar: „Arbeitsfortschritt im Gange“ – überall wird gebaut, restauriert, abgerissen und neu gebaut.

Ein kleines Stück weiter wird momentan an der neuesten Attraktion gebaut, einem riesigen sitzenden Buddha – und auch hier galt wieder: höher, bunter, greller!

Die Anlage liegt in der Nähe des Örtchens Mudon und kann relativ einfach per Bus erreicht werden. Für rund 500 Kyat können Sie jeden Bus Richtung Mudon oder Than Byu Zayat nehmen und sich auf dem Rückweg wieder auflesen lassen.

Vom Highway aus müssen Sie noch etwa zwei Kilometer laufen, allerdings ist der Weg gepflastert mit Buddha-Statuen und anderen kleinen Sehenswürdigkeiten. Wenn Ihnen der Weg zu beschwerlich sein sollte, winken Sie einfach ein Moto-Taxi heran – oder vielleicht haben Sie auch Glück und eine der zahlreichen Schulklassen, die Win Sein Taw Ya besuchen, nehmen Sie mit!

Die Kyauktalon Taung Pagode

Noch ein Stück weiter von Mawlamyine entfernt, einige Kilometer südlich von Wan Sein, steht auf einem steilen Kalksteinfelsen, der sich im Flachland majestätisch in den Himmer reckt, die Kyauktalon Taung Pagode. Der rund 20-minütige – ziemlich steile – Anstieg zum Schrein in luftiger Höhe führt Sie vorbei an einigen Höhlen und kleineren Schreinen.  Oben angekommen, können Sie die prächtige Aussicht genießen und bei klarem Wetter kilometerweit sehen!

Wenn Ihnen dieser Anstieg zu anstrengend sein sollte, können Sie auch den Hindu-Schrein auf einem leichter zugänglichen Felsen besuchen – oder Sie spazieren einfach um den Felsen herum, denn auch das ist schon ein Erlebnis für sich!

Aktivitäten in Mawlamyine

Wie schon erwähnt, Mawlamyine ist ein entspanntes Städtchen, dass außerhalb seines geschäftigen Hafenumschlagsplatzes nur wenig Hektik kennt. Viele der Sehenswürdigkeiten können Sie gemütlich bei einem Spaziergang erkunden. Weitere mögliche Aktivitäten sind:

  • Eine kulinarische Tour durch Mawlamyine
  • Bootsfahrten auf dem Fluss
  • Bootsfahrten in den Golf von Martaban
  • Ausflüge mit dem Motorrad / Fahrrad
  • Entspannen am Strandufer
  • Shopping auf den Märkten
  • Besuch auf Bilu oder Shampoo Island
  • Besuch der (stillgelegten) St. Matthews Kirche

Reisezeit und Klima für Mawlamyine

Die jährliche Durchschnittstemperatur in Mawlamyine liegt bei rund 26° C, wobei der heißeste Monat der April mit knapp 30° C und der kälteste Monat der Januar mit 24° C ist. Im Mai beginnt die Regenzeit mit kräftigen, manchmal auch länger andauernden Schauern. Der meiste Regen kommt im August vom Himmel, jetzt können Straßen abseits der Highways unterspült oder überschwemmt sein und Ihr Vorankommen erschwerden. Die Regenfälle ziehen sich bis in den Oktober, wo sie langsam versiegen.

Als beste Reisezeit für Mawlamyine gilt die Zeit von Dezember bis März. Die Temperaturen sind angenehm, die Luft klar und rein und die Sonne strahlt fast durchgängig vom Himmel. Da der Tourismus hier noch keine so große Rolle spielt, merkt man nur kleine Unterschiede in den Preisen für Unterkünfte in der Hauptsaison und der Off-Season.

Anreise Mawlamyine

Von Yangon aus gibt es täglich zwei Busverbindungen nach Mawlamyine, eine um 7.30 Uhr morgens und eine um 21.00 Uhr. Die Fahrt dauert rund 5 – 6 Stunden.

Auch mit dem Zug gibt es täglich zwei Verbindungen, allerdings raten wir stark davon ab. Die Züge sind langsam, äußerst unbequem und ganz ehrlich die Ersparnis nicht wert – außer Sie lieben es, sich stundenlang durchschütteln zu lassen, womöglich sogar noch stehend.

Der Flughafen von Mawlamyine ist momentan geschlossen. Früher gab es hier sowohl Inlandsverbindungen als auch einen Flug in das thailändische Mae Sot. Ob der Flugbetrieb jemals wieder aufgenommen wird, weiß man nicht – aber mit steigenden Besucherzahlen ist es zumindest nicht ausgeschlossen.

Von Hpa-An gibt es Busverbindungen, Private Vans oder sogar Touristenboote, mit denen Sie Mawlamyine erreichen können. Die Fahrt dauert mit dem Bus etwa 2 Stunden.

Hotels in Mawlamyine

Zugegeben, sehr viel Auswahl an Unterkünften gibt es in Mawlamyine nicht, aber es wird mit jedem Jahr ein bisschen besser. Eines der besten Hotels ist das Strand Hotel, welches direkt am Fluss liegt und perfekt geeignet ist, um von hier aus die Stadt zu erkunden.

Zwar etwas einfacher, aber dafür sehr viel familärer und behaglicher ist das Cinderella Hotel mit gerade einmal 22 Zimmern und einem Restaurant. Dafür können Sie im Garten entspannen oder sich von den freundlichen Mitarbeitern Touren zu den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung arrangieren lassen.

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